Eine Erzählerin, die permanent ihr Ich hinterfragt. Hinterfragen muss, denn Xavier äußert die Vermutung, ihr Sohn zu sein. Was nicht sein kann, denn sie hat nie ein Kind geboren. Xaviers Auftauchen bringt ihre Ehe mit Tomas ins Wanken … Im zweiten Teil sind die drei plötzlich eine Familie. Die Irritation ist komplex – was ist real? Wer spielt welche Rolle? Wir Leser: innen bewegen uns durch ein Paralleluniversum, das es nicht geben kann. Oder doch?
Ungewissheit als Metapher. Wer sind wir? Welche Rolle spielen wir? Ein Roman, der nachklingt, stilistisch präzise, raffiniert. Und hochaktuell: Wie gern beharren wir auf der einen Variante unseres Selbst. Vielleicht doch einmal die Realität prüfen?

Empfohlen von Claudia Schumann,
Buchhändlerin,
Hugendubel Berlin Spandau
im Karstadt

© privat

Mein Lieblingszitat:

„Ist es denkbar, nichts als ein Mensch auf Erden zu sein? (…) jemand, irgendwer, niemand (…) War es denkbar, vollkommen frei zu sein?“

Aus „Der Morgenstern“ von Karl Ove Knausgård.