Bravissimo! Wir gratulieren Gisa Pauly und der unvergleichlichen Heldin ihrer Krimis. Mamma Carlotta, eine begnadete Köchin und Hobby-Detektivin aus dem umbrischen Dorf Panidomino, hat es in Bestsellern wie „Wellenbrecher“ und „La Paloma“ zum Kultstatus gebracht – als italienische Miss Marple von Sylt. Nun beweist sie in ihrem 20. Fall unter dem Titel „Windjammer“ ein weiteres Mal ihr außerordentliches kriminalistisches Gespür. Vor dem Limoncello zum Jubiläum haben wir Gisa Pauly (GP) und Mamma Carlotta (MC) schnell um ein paar Einblicke gebeten.

Buongiorno, Signora Capella! Dürfen wir Sie Mamma Carlotta nennen?
MC: Naturalmente! So nennen mich alle. Das ist genau richtig.

„Sie hat sich eingemischt …“

Moin, Frau Pauly! Warum halten Sie Mamma Carlotta mit ihrem italienischen Temperament für die ideale Hobby-Ermittlerin auf Sylt?
GP: Eigentlich war es nie so, dass ich sie für die ideale Ermittlerin gehalten habe. Das hat sich so entwickelt. Sie hat sich eingemischt, hat es einfach getan. So ist sie eben.

Mamma Carlotta, waren die Friesen für Sie Liebe auf den ersten oder den zweiten Blick?
MC: Eher auf den zweiten Blick. Madonna, wie schweigsam sie sind! Daran habe ich mich noch immer nicht richtig gewöhnt.

„Wer zu la famiglia gehört …“

Was finden Sie an Ihrem Schwiegersohn Erik Wolf typisch friesisch? Worin besteht die Herausforderung und warum haben Sie ihn dennoch ins Herz geschlossen?
MC: Er ist immer die Ruhe in Person. Dio mio, ihn bringt so schnell nichts aus der Fassung. Aber er ist mein Schwiegersohn! Wer zu la famiglia gehört, wird immer ins Herz geschlossen, auch wenn er ein einsilbiger Friese ist.

Obwohl es eigentlich Eriks Job als Hauptkommissar ist, Fälle zu lösen, ermitteln Sie auf eigene Faust. Woher kommt diese unwiderstehliche Leidenschaft?
MC: Signora Pauly behauptet, dass ich neugierig bin und mich gern in Sachen einmische, die mich eigentlich nichts angehen. Das stimmt natürlich nicht. Ich nenne das Interesse und Hilfsbereitschaft.

„Ich arbeite mehr mit intuizione …“

Wie schaffen Sie es, Erik Wolf und seinem Polizeiteam immer wieder eine Nasenlänge voraus zu sein? Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
MC: Bei mir geht eben alles schneller als bei den Friesen. Und ich arbeite mehr mit intuizione, Erik dagegen will immer Beweise. Das dauert einfach länger.

Stimmt es, dass es in Ihrem Jubiläumskrimi „Windjammer“ eine heiße Spur in einem Cold Case gibt?
GP: Ja, vor Jahren verschwand ein Kind am Strand von Sylt, und nun scheint es wieder aufgetaucht zu sein. Die leiblichen Eltern sagen, sie hätten es an einem Muttermal zweifelsfrei erkannt.

Was geht Ihnen bei Ihrem aktuellen Fall besonders zu Herzen?
MC: Es geht um einen süßen Jungen. Wenn Bambini leiden müssen, ist das für mich immer ganz besonders tragico.

„… ist mir selbst sehr nahe gegangen.“

Was ist für Sie der aufregendste Moment in „Windjammer“?
GP: Als das wiedergefundene Kind ein zweites Mal verschwindet! Das ist mir selbst sehr nahe gegangen. Ich bin manchmal so nah an der Geschichte dran, dass ich Teil davon werde.

Riskante Situationen zu meistern, sind Sie durch Frau Paulys Plots gewohnt. Was nehmen Sie ihr trotzdem ein bisschen übel?
MC: Als ich mich von Tove Griess, dem Wirt von „Käptens Kajüte“, küssen lassen musste – das war terribile.

Was schätzen und bewundern Sie am meisten aneinander?
GP: Carlottas Zufriedenheit bewundere ich. Sie ist immer glücklich über das, was sie hat, klagt nie über das, was sie nicht hat.
MC: Signora Pauly sorgt immer dafür, dass alles gut ausgeht. Fortunatamente!

Welche persönlichen Eigenheiten nehmen Sie liebevoll aneinander in Kauf? Und was finden Sie manchmal doch ein wenig anstrengend?
MC: Signora Pauly ist immer so pignolo … pingelig. Sie will auch immer Beweise, so wie Enrico.
GP: Wenn Mamma Carlotta über ihre Familie redet, wird sie manchmal reichlich ausufernd. Andererseits … es ist auch schön, ihr zuzuhören, so emotional, wie sie erzählt.

„Madonna, war das ein Theater …“

Bei welchem Abenteuer haben Sie Schnappatmung bekommen?
MC: Als meine Cousine Violetta auf Sylt zu Besuch war und bei einer Varieté-Vorstellung ihren früheren Liebhaber wiedersah. Madonna, war das ein Theater, als sie auf die Bühne stürmte und auf ihn losging!

Mamma Carlotta, so berühmt wie Ihr detektivisches Gespür ist Ihre Kochkunst. Was macht Ihnen dabei am meisten Vergnügen?
MC: La creatività! Es gibt in meinem Kopf zwar Rezepte, aber ich halte mich selten daran, weil es so spannend ist, Neues auszuprobieren.

„Amore? No, no!“

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Trifft das auch auf Sie und Giovanni zu, den Chef des sizilianischen Restaurants „Palermo“?
MC: Amore? No, no! Das ist doch nur … Freundschaft. Manchmal ein bisschen flirtare, aber mehr nicht!

Wie feiern Sie nun den 20. Band?
GP: Es gibt viele Lesungen in diesem Jahr, das Interesse an dem Jubiläum ist riesig.

MC: Und in diesem Jahr komme ich sogar zum Weihnachtsfest nach Sylt. Das wird spannend! Natürlich auch festlich, andächtig und romantisch, wie sich das gehört an Natale.