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Der Schweizer Bestsellergarant Martin Suter ist bekannt für Romanerfolge wie „Small World“, „Die dunkle Seite des Mondes“, „Der letzte Weynfeldt“ oder „Melody“ sowie für seine Kultkolumnen aus der Welt des Managements. Nun macht er sich mit 45 neuen Business-Class-Geschichten alle Ehre: über Machtpoker, Intrigen und auffliegende Affären, Hierarchien, Dresscodes, Fauxpas und die Frage, für wen der Designer-Chefsessel zum Schleudersitz wird. Bravourstücke der Realsatire!
Woher kennen Sie die Business Class wie Ihre Westentasche?
In meiner Zeit in der Werbung hatte ich Zugang zu den Chefetagen. Und dadurch Gelegenheit zu tiefen Einblicken in diese Welt.
Die erste Kolumne in Ihrem neuen Band hat den verheißungsvollen Titel „Suter tut es wieder“. Warum können Sie das Kolumnenschreiben über die Business Class einfach nicht lassen?
Als ich 2019 meine Website martin-suter.com gründete, beschloss ich, meine Kolumne „Business Class“ wieder zu schreiben, zugänglich für einen kleinen Kreis von Abonnenten. Ich hatte sie von 1991 bis 2007 geschrieben, und sie war so erfolgreich, dass ich dachte, sie würde sich auf diesem für mich ganz neuen Medium gut machen. Es war also nicht so, dass ich nicht davon lassen konnte, ich hatte es über 12 Jahre gekonnt.
Ist die Business Class ein Haifischbecken? Oder wie würden Sie dieses Habitat bezeichnen?
Die Kolumne ist satirisch, deshalb beantworte ich diese Frage auch so: Als Kindergarten.
„Null Talent zur Selbstkritik.“
Welche drei Eigenschaften braucht man, um sich in der Business Class zu behaupten?
Ein ungewöhnlich reges Interesse an sich selbst. Null Talent zur Selbstkritik. Eine dritte Eigenschaft braucht es nicht.
Stichwort Identität – Ihr Lebensthema. Was macht die Business Class da besonders aufschlussreich?
Der Schein und das Sein.
Nicht selten erzählen Sie von durchkreuzten Karriereplänen und gescheiterten Hoffnungen auf Beförderung. Warum?
Es gibt doch nichts Unterhaltsameres, als die Vorgesetzten scheitern zu sehen.
Welche Zäsuren haben die Business-Welt besonders stark auf den Kopf gestellt?
Als man begann, vom Top-Management Top-Leistungen zu erwarten.
Nicht zuletzt wandelt sich die Sprache in der Business Class. Welche Begriffe und Codes sollen signalisieren, wie fortschrittlich man ist? Und was steckt dahinter?
Im Grunde genommen sind die neuen Begriffe und Codes nur andere Arten, die alten zu bezeichnen. Sie dienen dem Zweck, sich aufzuspielen.
Wie hat sich die Rolle von Frauen in den Führungsetagen verändert?
Man sieht langsam ein, dass sie meistens nicht nur schöner, sondern auch besser sind als die Männer.
Am Homeoffice scheiden sich die Geister. Was macht es für Sie zum Topthema für Kolumnen?
Viele der Kolumnen im neuen Band entstanden in der Zeit der Pandemie, als das Homeoffice oft die einzige Art war, zu arbeiten.
„Die Business Class braucht Bühnen …“
Warum hat es die Business Class besonders schwer im Homeoffice?
Die Business Class braucht Bühnen, auf denen man sich aufspielen kann. Die fehlen im Homeoffice. Kommt dazu, dass man zu Hause zu viel von seinem Sein und zu wenig Schein zeigen kann.
Im Ehe- und Familienleben lässt bei einigen der Business-Class-Männer in Ihren Geschichten die Performance zu wünschen übrig. Woran hapert es da?
Dort werden sie eben durchschaut. Das mag der Manager nicht.
Ob in „Pfeifers Neubeginn“ die Krawattenfrage oder in „Coolness Rules“ Volkmanns Budget für „Suits and Styling“ – Kleider machen auch in der Business Class Leute. Was ist das A und O bei modischen Statements und Understatement?
Das ist genau das Problem, dass es As und Os gibt, denen man folgen muss. Dass man zum Beispiel denkt, keine Krawatte zu tragen sei Freiheit. Zu tragen, was man will, ist Freiheit.
„Das Schöne an der Satire ist, dass …“
Welches Echo auf Ihre Kolumnen bekommen Sie eigentlich aus der Business Class?
Das Schöne an der Satire ist, dass die, die gemeint sind, sich meistens nicht betroffen fühlen.
Hand aufs Herz: Worum beneiden Sie die Business-Class-Menschen manchmal?
Hand aufs Herz: Um nichts.


