Barbara Schieb, Jutta Hercher (Hg.)
„1938 – Warum wir heute genau hinschauen müssen“
Elisabeth Sandmann
24,95 €
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Berührend und hochaktuell

„ICH HABE enorm viel Hass und Verfolgung und Schläge und alles kassieren müssen, nur weil ich Jude bin“, sagt Arye Sharuz Shalicar, Jahrgang 1977, über seine Jugend im Berliner Wedding. Arye konnte sich behaupten. Er baute sich seine Zukunft auf, arbeitet inzwischen für die israelische Regierung und ist erfolgreicher Autor. Ein Happy-End? Dafür ist die Entwicklung zu alarmierend, wie die biografischen Schlaglichter von Ayre und vielen anderen in einem der brisantesten Bücher dieses Herbstes belegen: „1938. Warum wir heute genau hinschauen müssen“ macht deutliche Parallelen bewusst – zwischen 1938, als eine Welle beispielloser Gewalt, besonders gegen Juden, begann, und unserer Zeit. Populismus, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bedrohen immer mehr unsere demokratischen Grundwerte – und Menschen. Neu ist, „wie sehr die Hemmschwellen gefallen sind“, so die Verlegerin Elisabeth Sandmann im Nachwort des einzigartigen Buches, das in Kooperation mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und mit dem Leo Baeck Institut in New York entstanden ist. Die Collage versammelt Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden sowie aus der Kinder- und Enkelgeneration – mit teilweise erstmals veröffentlichten Briefen, Fotos und eigens für das Buch verfassten Beiträgen. Besonders eindrucksvoll: die Erzählungen noch lebender Zeitzeugen, z.B. Walter Frankenstein, der auch mit 95 noch Schulklassen besucht, um seine Erfahrungen zu teilen, wachzurütteln und zu sensibilisieren. Seine Kernbotschaft: „Denkt selbst, folgt keinen Demagogen!“