Michael Lemster
„Die Grimms“
Benevento
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Mit Familiensinn & Fantasie

SPIEGLEIN, SPIEGLEIN an der Wand, wer ist der wohl beste Grimm-Kenner im Land? Kein Zweifel, Michael Lemster. Wie schon in seinem Buch über die Mozart-Dynastie erweist sich der Kulturwissenschaftler nun auch in der ersten umfassenden Familienbiografie der Grimms als leidenschaftlicher Spurensucher und glänzender Erzähler. Geboren ist er in Hanau, wie 1785 Jacob und 1786 Wilhelm Grimm. In der hessischen Stadt überragen die Brüder den malerischen Markplatz als Doppelstatue – symbolisch für ihre besondere kulturelle Bedeutung als Märchensammler und Begründer der deutschen Philologie, aber auch für ihre symbiotische Verbindung. Um so spannender ist es, dass Lemster ihr Profil als eigenständige Persönlichkeiten herausarbeitet. Und dass er auch zeigt, worüber sie aneinandergerieten, z.B. beim Edieren der Märchen. Zu Recht bilden die beiden das erzählerische Zentrum der akribisch recherchierten und anschaulich erzählten Familiengeschichte vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Im historischen Panorama dokumentiert Lemster nicht zuletzt den Aufstieg des Bürgertums am Beispiel der Grimms, etwa durch ihre Juristentradition, in die sich auch Jacob fügte, um seine fünf jüngeren Geschwister finanziell über die Runden zu bringen. Die Familie als Seelentrost und Trutz- und Schutzburg, private und politische Höhen und Tiefen sowie die Ängste der Grimms vor der Moderne schildert Lemster feinsinnig, quellenfundiert und mit viel Sinn für Atmosphäre, z.B. die Studierstuben-Stimmung, durchweht von lindenduftender Morgenluft. Erhellendes Lesevergnügen voll Poesie!

Eine märchenhafte Rezeptempfehlung

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