© Stefan Nimmesgern; laif

„Der kleine Medicus“ reloaded

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Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer kennt jedes Kind – vielleicht noch nicht als verdienstvollen Mediziner und Begründer der Microtherapie, aber als fantasievollen Erfinder des „kleinen Medicus“. Damit glückte dem Autor ein Nummer-1-Bestseller, der auch als Bühnenadaption und Animationsfilm zum sagenhaften Erfolg wurde. Kein Wunder, der clevere Titelheld nimmt als erster „Korponaut“ das junge Publikum mit auf spannende Entdeckungsreisen durch die Welt der Technik und durch den menschlichen Körper. Nun kommt „Der kleine Medicus“ erneut groß heraus: in vier druckfrischen Bänden mit seinen authentisch aktualisierten Abenteuern am Puls unserer Zeit!

© Stefan Nimmesgern; laif

Was beflügelt Sie, Kinder und Jugendliche mit auf Entdeckungsreise zu nehmen?
Kinder sind kleine himmlische Wesen, die unverdorben, fröhlich und wissbegierig die Welt betreten. Ihre Begeisterung zu teilen und ihren Wissensdurst zu befriedigen, erwärmt mein Herz und beflügelt mich. Mein Anliegen: Kindern die Angst zu nehmen und sie medizinisch schlauer zu machen als die Erwachsenen, denen diese Möglichkeit nicht gegeben wurde.

Wie waren Ihre ersten Erfahrungen?
Als Kind litt ich häufig an Halsschmerzen, Bronchitis oder Mittelohrentzündung. Ich erinnere mich noch genau an die fürchterlichen Besuche beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, genauso wie an schmerzhafte Blutabnahmen. Das alles meist ohne freundliche oder beruhigende Worte. Diese Arztbesuche – auch das Röntgen in dunklen Räumen – wirkten traumatisierend. Angst zu nehmen und schmerzarm zu behandeln, war für mich eine wesentliche Motivation, Arzt zu werden, aufzuklären sowie zu forschen und zu schreiben.

Symbol dafür ist der „kleine Medicus“ Florian Sonntag, genannt Nano, der 2005 das Licht der Bücherwelt erblickte. Was verkörpert er für Sie?
Jeder Mensch ist eigentlich auch sein eigener Arzt, ein kleiner Medicus oder kleine Medica, die am besten wissen, wo sie der Schuh drückt, welche Last auf ihren Schultern liegt oder was ihnen am besten bei Magendruck hilft. Ärzte und Therapeuten können ihnen dabei helfen, die Eigenbehandlung so gut wie möglich durch ihr spezifisches Wissen und ihre Fähigkeiten zu unterstützen. Mit anderen Worten: Der Arzt und der Patient – mit Wissen und Verantwortung für sich selbst – sollten sich auf Augenhöhe begegnen. Der Botschafter und Wissensvermittler hierfür ist Nano, der kleine Medicus.

Welches Echo auf den Kleinen Medicus hat Sie am meisten gefreut?
Wenn Kinder mit großen leuchtenden Augen vor mir stehen und ihr Glücksgefühl und ihre Begeisterung mit mir teilen. Nicht wenige sind Ärzte oder Krankenschwestern geworden.

„Begeistern und staunen lassen!“

Wie gelingt es Ihnen als Mediziner und Wissenschaftler, sich in die Kinder von heute zu versetzen und deren Sprache zu sprechen? Welcher Leitlinie folgen Sie dabei?
Von schwer nach leicht – make it simple! Komplizierte Zusammenhänge einfach erklären, am besten an Beispielen oder in Abenteuer verpackt, liebe ich. Ganz wichtig: Menschen zu begeistern und staunen zu lassen, besonders Kinder zum Lachen und dadurch zum Nachdenken und Lernen zu bringen.

Science Fiction wird mitunter von der Wirklichkeit eingeholt. Wie ist es heute um den Fortschritt bei der Nanomedizin und Reisen durch den Körper bestellt?
Habe ich Anfang des Jahrtausends bereits den kleinen Medicus in einer Kapsel durch den Körper fliegen und lokal mit Lasern oder Medikamenten punktgenau behandeln lassen, ist dies heute bereits weltweit routinemäßiger Alltag. Zum Beispiel die Endoskopie-Kapsel, mit der der gesamte Magendarmtrakt genau beurteilt werden kann. Auch der Laser oder die Minidosen von Medikamenten, die ich in der Mikrotherapie – einer von mir erfundenen Methode zur millimetergenauen Therapie von Tumoren, Bandscheibenvorfällen oder Schmerzen – einsetze. Das Elektromobil von Dr. X, dem Hausarzt von Nano, mit Energiegewinnung beim Bremsen und Antrieb mit Sonnenenergie, war damals auch noch nicht in Sicht.

„Immer wieder erwacht das Kind in mir.“

Wie ist in Ihren Geschichten um Nano & Co. das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Erfindungsgeist wie beim Turbobeamer? Worauf legen Sie Wert?
Ich versuche, meist sehr genau auf wissenschaftlicher Basis Medizin und meist auch Technologien zu beschreiben. Immer wieder erwacht aber auch das Kind in mir. Dann versuche ich, mit meinem bewusst fantasierenden Erfindungsgeist die Zukunft zu beschreiben. Wie beim Turbobeamer oder den nachwachsenden Häusern .. Aus Klein wird Groß! Eine Technik zum Bau von Maschinen, die bereits mein alter und leider verstorben Freund Konrad Zuse, der Erfinder des Computers, vor langer Zeit beschrieben und mir erklärt hat. 

Worauf kommt es Ihnen bei der zeitgemäßen Charakterisierung von Nano & Co. im Jahr 2021 an?
Die Kinder leben heute in einer sich rasant weiterentwickelnden Welt. Handys und Computer sind ausihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mit denen hat allerdings schon Micro Minitec, die tolle und superschlaue Assistentin von Dr. X, Anfang des 21. Jahrhunderts gearbeitet und Nano fasziniert. Auch die Sprache der Kinder hat sich geändert, ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Gewohnheiten. Also versuche ich, sie in ihrer neuen Welt abzuholen und zu begeistern. Aber auch für den kritischen Umgang mit den neuen Medien und Techniken sensibilisiere ich. Dr. Google hilft nicht immer, im konkreten Krankheitsfall häufig gar nicht.

Wie deuten Sie die Rolle von Nanos Schwester Marie?
Marie ist wesentlich für mich. Sie entwickelt sich zu einer kleinen Medica. Nano und sie sind ein gleichwertiges Team. Sie hält ihm den Rücken frei, engagiert sich und kämpft mit ihm zusammen gegen Krankheiten, Viren und Bösewichte.

Die Abenteuer von Nano beginnen mit dem Band „Die geheimnisvolle Villa“. Was ist das Spannende daran?
Als erster „mikrotisierter Korponaut“ der Welt macht sich Nano noch tiefer als bisher auf den Weg in den Körper. Hierzu benötigt er das Wissen von Dr. X und den Erfindergeist von Micro Minitec sowie ihre einzigartigen Maschinen zum Schrumpfen von Menschen und Geräten. Dies geht nur in der fantastischen Hightech-Ausstattung der Villa. Auf Nanogröße muss verkleinert werden, damit Nano – deshalb habe ich ihn so genannt – in Zellen, ins denkende und fühlende Gehirn eindringen und auf vielfältige Weise verschiedenen Sinnesorgane erkunden kann. Er kämpft in seinen Abenteuern gegen Viren und Bakterien und gegen gefühls- und gewissenlose Roboter von Professor von Schlotter, dem Widersacher von Dr. X. Dabei lernt er echte Freundschaft kennen und wie wichtig Solidarität und gemeinsames Handeln als Team ist.

„Auf lebendige Weise viel lernen!“

Was möchten Sie Ihren jungen Leserinnen und Lesern mit Dr. X und seine Assistentin Micro Minitec veranschaulichen?
Die Einheit von Schulmedizin und Naturheilkunde sowie die wichtige Bedeutung von Technologie, Pharmazie und Pflanzenheilkunde sowie Psychosomatik für die Zukunft der Menschheit: Das liegt mir am Herzen. Ich habe deshalb diese Verbindung von Naturmedizin und Schulmedizin als „Weltmedizin“ definiert. Micro Minitec verkörpert die Wissenschaft und Hightech-Entwicklungen, Dr. X das liebevolle ganzheitliche Handeln und die Großmutter von Nano, Omi Rosa, die Naturheilkunde. Von allen dreien können die Kinder, aber auch Erwachsene undogmatisch auf lebendige Weise viel lernen.

Die Kraft liegt in euch.

Wie lautet Ihre Botschaft an junge Leser?
Ihr Kinder seid selbst ein kleiner Medicus und eine kleine Medica! Ärzte und Therapeutinnen sind eure Gehilfen. Nehmt euer Leben selbst in die Hand! Die Kraft liegt in euch! Das Leben ist ein großes Abenteuer und eben zu dürfen ein wundervolles Geschenk.