© LNB Bad Homburg

Drei EXPERTEN – eine MISSION

Geschätzte Lesezeit ca. 12 Minuten

STERNEKOCH JOHANN LAFER (JL) könnte Luftsprünge machen. Dass er je wieder richtig auf die Beine kommen, geschweige denn sich so wohlfühlen würde wie heute, hätte er sich lange Zeit nicht mal im Traum vorstellen können. Kaum verwunderlich, denn er hat einiges hinter sich – wie viele seiner Leidensgenossen mit Arthrose. Nichts zu machen? Operation samt Reha? Tagtäglich Tabletten? Es geht auch anders, wie die vielfache Erfahrung von Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht (RLB) und der Ernährungsmedizinerin Dr. Petra Bracht (PB) zeigt. Die drei verbinden ihr Fachwissen in ihrem gehaltvollen Buch. Die gemeinsame Mission: genussvoll schmerzfrei leben!

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Herr Lafer, Sie bezeichnen „Essen gegen Arthrose“ als Ihr persönlichstes Buch. Was macht es dazu?
(JL) Meine persönliche Betroffenheit. Ich habe über Jahre versucht, meine Schmerzen zu ignorieren, mein linkes Knie war bereits operiert, ohne dass es völlig schmerzfrei wurde. Diese Prozedur wollte ich mir für mein rechtes Knie ersparen und neue Wege gehen.

Wie klangen die Klinikdiagnosen?
(JL) Einfach nur beängstigend.

Wie war Ihr Zustand, als Sie im Gesundheitszentrum von Dr. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht ankamen?
(JL) Ziemlich schlecht, ich konnte nicht lange stehen, humpelte, das Treppenlaufen war eine Qual.

Wie fühlen Sie sich jetzt?
(JL) Ein bisschen wie neugeboren, die Schmerzen sind einfach weg und – kaum zu glauben – die Wetterfühligkeit, die ich im operierten Knie nach diesen Jahren immer noch habe, gibt es im rechten nicht. Ich kann wieder wandern und Radfahren, das ist als Ausgleich für mich so wichtig und eine wiedergewonnene Lebensqualität.

„Reifen abgefahren …“

Am Anfang waren Sie schon ein bisschen skeptisch. Warum?
(JL) Mehr als ein bisschen, weil das, was Roland Liebscher-Bracht mir erzählte, einfach völlig unglaubwürdig klang. Ich war ja vorher bei mehreren Spezialisten, die sagten alle ziemlich das Gleiche – Reifen abgefahren, muss ausgetauscht werden.

Was überzeugte Sie letztlich, dass Sie hier doch an der richtigen Adresse und bestens aufgehoben sind?
(JL) Weil das Unglaubliche passierte und ich direkt am Schluss der ersten Behandlung beim Treppenlaufen so gut wie keine Schmerzen mehr spürte, maximal noch einen kleinen Rest von 10 Prozent. Aber selbst da konnte ich es noch nicht richtig glauben.

Was machte Sie so zuversichtlich, dass Sie ihm helfen können, Herr Liebscher-Bracht?
(RLB) 100%ig sicher war ich natürlich nicht, aber ich kenne solche Fälle zu Hunderten. Deswegen wusste ich, dass die Chancen sehr gut standen.

„Schmerzen können wegtherapiert werden!“

Sie sprechen von der Schmerzfalle. Was ist das Tückische daran?
(RLB) Das Tückische ist, dass so gut wie alle daran glauben, dass Arthrose und Meniskusverletzungen weh tun. Und dass man in der Falle sitzt, wenn bei Schmerzen solcher Verschleiß festgestellt wird, da dann jeder sagt, das muss operiert werden. Raus kommt man, indem einem jemand zeigt, dass die Schmerzen trotzdem wegtherapiert werden können – das ist der Beweis und die Falle schnappt nicht zu.

Wie lautet Ihre Kernbotschaft an alle Schmerzgeplagten?
(RLB) Bei Schmerzen immer zuerst unsere Übungen machen oder sich mit der Osteopressur therapieren lassen. Erst, wenn das nicht hilft, Schmerzmittel nehmen oder sich operieren lassen.

Johann Lafer musste auch selbst aktiv werden. Was haben Sie ihm verordnet?
(RLB) Einfache Übungen, die im Buch genau beschrieben sind. Ich habe sie in den letzten 30 Jahren so auf den Punkt entwickelt, dass sie in der Lage sind, bei fast allen Schmerzen zu helfen. Sie normalisieren gezielt die zu hohen Spannungen der Muskeln und Faszien, die Ursache der unterschiedlichsten Schmerzen sind.

Wie geht es Ihnen mit den Übungen?
(JL) Es geht super, aber man muss halt die Gewohnheit entwickeln, sie täglich zu machen. Im Vergleich dazu, wie man profitiert, ist die Zeit selbst kaum der Rede wert: Es sind nur etwa 15 Minuten am Tag, die ich meistens gleich morgens absolviere.

Und dann kamen Sie ins Spiel, Frau Dr. Bracht. Sie haben den Speiseplan von Johann Lafer unter die Lupe genommen. Warum?
(PB) Weil ich aus langer Erfahrung weiß, dass Genießer wie er oft Nahrungsmittel auf dem Speiseplan haben, die Schmerzen begünstigen, indem sie die Faszien unflexibel machen und die Spannung der Muskeln erhöhen.

„Tierische Nahrungsmittel minimieren.“

Worauf achten Sie bei Ihren Ernährungstipps?
(PB) Das Wichtigste: Tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Eier sowie Milch und deren Produkte zu minimieren. Sie übersäuern das Körpergewebe, die Faszien trocknen aus und die Muskeln gehen auf Abwehrspannung, weil der Körper sich bedroht fühlt.

Was ist Ihnen am schwersten gefallen, Herr Lafer?
(JL) Natürlich genau das, Fleisch und Co. durch Gemüse und andere Pflanzen zu ersetzen. Die größte Überraschung war, dass eine solche pflanzenbetonte Ernährung, die ich ja aus Asien schon gut kannte und auch wusste, wie lecker sie sein kann, dass diese Ernährung hilft, die Schmerzen zu vertreiben.

Wie wirkte sich Ihre Ernährungsumstellung auf Ihre Kochphilosophie in der Sterneküche aus?
(JL) Nahrung als Medizin klang für mich immer nach fader Krankenhauskost. Was mich begeistert, ist, dass ich nicht auf Genuss verzichten muss und dass wir uns mit dem, was wir täglich essen, auch gesund und schmerzfrei halten können. Petra Bracht hat eine Auswahl der wichtigsten Anti-Schmerz-Lebensmittel erstellt und ich habe daraus vegane Rezepte gemacht, die köstlich schmecken – eigentlich so wie immer, nur halt aus Pflanzen und kombiniert mit meinem Wissen rund um Kräuter und Gewürze.

„Pflanzenbegeistert, nicht dogmatisch!“

Und das Sahnehäubchen, das manchmal einfach sein muss? Dolce Vita geht doch nicht ohne Pannacotta, oder?
(PB) Also das Himbeer-Gazpacho mit Basilikum-Kokos-Pannacotta, die Himbeer-Avovado-Tarte und die Schokotorte mit Passionsfrucht und Avocado beweisen, dass Veganer auf nichts verzichten müssen, oder? Trotzdem, wir sind pflanzenbegeistert, aber nicht dogmatisch, ich selbst ernähre mich zwar fast nur pflanzlich. Aber Johann, du machst schon ein paar Ausnahmen oder?
(JL) Ja, mache ich natürlich, zumal ich ja in meinem Beruf als Koch auch den Fleischessern leckere Rezepte erstellen und diese vorkochen muss. Aber privat muss ich sagen, die tierischen Anteile nehmen immer mehr ab, weil ich diese Leichtigkeit, die ich inzwischen empfinde, immer mehr spüren möchte. Das ist ein ganz anderes Leben!

Wie alltagstauglich finden Sie die Rezepte von Johann Lafer vom Einkaufen und Zubereiten her?
(PB) Ich finde, man sollte die zum Kochen benötigte Zeit nicht als Aufwand werten, sondern als schönes Erlebnis genießen. Es sind ja viele Rezepte dabei, die sehr schnell gehen und beim Einkaufen keinen Aufwand bedeuten, also super alltagstauglich sind. Und die anspruchsvolleren lohnen sich trotzdem. Die Auswahl ist so groß, dass sich jeder das Passende heraussuchen kann.

Was sind Ihre Rezeptfavoriten?
(JL) Eines mit Grünkohl. Den habe ich früher immer gekocht – mit ordentlich Speck dran. Aber neu für mich ist Grünkohl als Salat mit Avocado und Grapefruit. Hätte ich früher nicht zubereitet.
(PB) Ich muss sagen, ich liebe Kartoffel-Spargel-Rösti mit Tomaten-Aprikosen-Salat und die Kartoffel-Pilz-Lasagne.
(RLB) Ich kann mich schwer entscheiden, aber das Grünkohl-Kürbis-Curry und der orientalische Auberginensalat mit Quinoa und Kräuterdressing haben es mir besonders angetan.

Welche Idee oder Idealvorstellung führte dann zu Ihrem gemeinsamen Buch?
(RLB) Eigentlich, dass wir uns auf Anhieb sympathisch fanden und als klar wurde, dass unsere drei Spezialisierungen so perfekt zueinander passen, dass wir viele andere Menschen von diesem Wissen profitieren lassen möchten.

„Vegan und doch köstlich.“

Ihr gemeinsames Motto lautet: „Drei Experten, eine Mission!“ Wie lässt es sich auf den Punkt bringen?
(PB) Möglichst vielen Menschen zu zeigen, dass vegane Ernährung, die gesund für uns Menschen, die Umwelt und das Klima ist, so köstlich schmecken kann, dass es einem an nichts fehlt.

Jeder steuert bei, was er am besten kann. Was ist Ihr jeweiliges Ziel?
(RLB) Menschen beizubringen, wie sie sich selbst helfen können, um schmerzfrei zu leben.
(PB) Menschen zu lehren, wie sie selbst für ihre Gesundheit sorgen, Krankheiten loswerden und Ihre Selbstheilungskräfte maximal stärken können.
(JL) Menschen zu zeigen, wie sie mit wenig Aufwand köstliches Essen zubereiten können – nun auch vegan.