© Stefanie Leo

Original BAYRISCH

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„EINE INSTITUTION. Eine wundervolle Schauspielerin, ein großartiger Mensch. Die beste Filmmutter aller Zeiten und eine herzliche Kollegin obendrein“, schwärmt „Bergdoktor“ Hans Sigl über Monika Baumgartner. Hinter die Kulissen lässt sie nun in ihrer Autobiografie blicken: Viel zu erzählen hat die 1951 geborene Münchnerin und „Kulturerbe Bayern“-Botschafterin, z.B. von ihrer unkonventionellen Kindheit, wichtigen Wegbegleitern, Höhen und Tiefen.

© Stefanie Leo

Zu Ihren vielen Ehrungen gehört die Ernennung zur „Kulturerbe Bayern“-Botschafterin. Was verbinden Sie damit?
Es ist immer eine große Ehre, eine Auszeichnung zu erhalten. Wie der Name schon sagt, setzt sich „Kulturerbe Bayern“ für Kulturdenkmäler ein, die, wenn sich niemand darum kümmert, auf einmal verschwinden. Ich verbinde damit Heimat, Denkmalschutz und bürgerschaftliches Engagement.

Zum Kulturerbe gehört nicht zuletzt die Sprache. Welche Bedeutung hat die bayrische Mundart für Sie?
Sie ist meine Muttersprache und ich bin froh darüber, bis heute auch in bayrischem Dialekt meine Rollen spielen zu dürfen.

In bayrischer Mundart haben Sie schon Ihr allererstes Theaterstück geschrieben und aufgeführt – bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule. Warum musste es für Sie unbedingt Bayrisch sein und wie ist Ihnen das Echo in Erinnerung geblieben?
In der Schauspielschule lernt man unter anderem erst einmal Hochdeutsch, damit man auch mit den Klassikern zurechtkommt. Da ich bis dahin ausschließlich Bayrisch (umgangssprachlich ohne „e“) gesprochen habe, war klar, dass meine Vorsprechtexte auch bayrisch gefärbt waren.

Ihre Ausbildung fiel in die Ära von August Everding, der Sie als „Platzlbegabung“ bezeichnete. Ziemlich despektierlich. Wie sind Sie damit umgegangen?
Zuerst wollte ich die Schule wieder verlassen, da ich als Einzige nach dem Vorsprechen als jemand hingestellt wurde, der eigentlich keinen Platz in dieser Schule hat. Ich habe dann aber viel Zuspruch von den älteren Schülern erhalten, die mir erklärt haben, dass Herr Everding sich gerne jedes Jahr jemand aus dem Neuzugang heraussucht, um die Einzigartigkeit der Schule hervorzuheben.

Wie hat Sie Ihre Ausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule geprägt? Was waren für Sie damals die wichtigsten Lebenslektionen?
Ich habe gelernt, dass man nur mit viel Kraft und Ehrgeiz weiterkommen kann. Mir haben immer irgendwelche Menschen in meiner Umgebung geholfen, um auch schwierige Zeiten durchzustehen.

Den Lehrmeistern von damals würden Sie heute wohl widersprechen, was die Erschließung der Rollen anbelangt?
Nein, ich habe viel von meinen damaligen Lehrmeistern über die Erschließung von Rollen gelernt. Fachlich waren diese Leute hervorragend. Und ich hatte das Glück, dass es in der Schule doch Lehrer gab, die an mich und meine Begabung geglaubt haben.

„Niemals aufgeben!!!“

Sie haben mit namhaften Regisseuren gearbeitet. Wer hat Sie am meisten weitergebracht oder sogar geprägt?
Natürlich Rainer Wolffhardt, mit dem ich die „Rumplhanni“ erarbeiten durfte. Der Rainer war ein wunderbarer Regisseur, der genau gewusst hat, was er will, und penibel auf jedes Detail geachtet hat, damit alles der jeweiligen Zeit entsprechend stimmt. Und als zweiten großen Regisseur habe ich Franz Xaver Bogner erlebt, der dem Rainer in keiner Weise nachstand. Der dritte große Regisseur in meinem Leben war Franz Xaver Kroetz, mit dem ich in drei großen Theaterstücken an den Kammerspielen und dem Residenztheater in München arbeiten durfte. Das Besondere war, dass der Franz die Stücke selber geschrieben hat. Dadurch konnte er immer wieder etwas verändern.

Sie schreiben, der Regisseur Helmut Dietl verkörperte für Sie ein besonderes Münchner Lebensgefühl. Wodurch? Wie kam es zum Ausdruck?
Helmut Dietl, mit dem ich leider nur ein einziges Mal arbeiten durfte, hat mit seinen vielen Serien, die das „Münchner Lebensgefühl“ sehr genau beschreiben, große Akzente gesetzt. Die Diktion seiner Sprache war sein Erkennungszeichen.

Einst haben Sie Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt und sich die Seele aus dem Leib geredet, um die „Rumplhanni“ zu spielen. Was hat Sie so gereizt an diesem Frauencharakter und an der Autorin Lena Christ?
Die „Rumplhanni“ ist eine Kämpferin, wenn auch nicht immer mit legalen Mitteln. Die Lena Christ war es ebenfalls, auch wenn es natürlich ein Unterschied ist, eine fiktive Figur zu spielen, oder wenn man weiß, dass das wirkliche Leben von Lena Christ ein ziemliches elendes Leben war. Sie sah in einer schwierigen Situation keinen Ausweg mehr und wählte den Freitod.

Und welche unter Ihren vielen Rollen waren Ihrer persönlichen Einschätzung nach die wichtigsten für Sie?
Ganz klar: Im Fernsehen waren es die „Rumplhanni“ in der Verfilmung des Stückes von der Lena Christ und die Rolle der Anni in „Sau sticht“, für die ich den Bayerischen Fernsehpreis bekommen habe. Im Theater waren es die Julie in „Liliom“ von Molnar und die Tochter in „Bauernsterben“ von Franz Xaver Kroetz.

Ganz in Ihrem Element scheinen Sie auch in der Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ zu sein. Was imponiert und entspricht Ihnen an der Lebenshaltung von Lisbeth Gruber?
Das sie immer versucht, trotz großer Schwierigkeiten die Familie zusammen zu halten und die Dinge so zu koordinieren, dass alles wieder funktioniert.

Lisbeth spielt auch in Ihrer Autobiografie eine besondere Rolle. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Die Idee einer Zwiesprache mit ihr ergab sich ziemlich schnell, da mich die letzten 14 Jahre die Lisbeth Gruber und der Bergdoktor intensiv begleiten. Ich fand es gleich eine wunderbare Idee, mit dieser Konstellation einen Rahmen für meine Biographie zu schaffen.

Sie erzählen auch von persönlichen Höhen, Tiefen und den rätselhaften Schmerzen, die Sie Ihnen so lange zu schaffen machten. Was möchten Sie Ihren Lesern vermitteln?
Niemals aufgeben!!!

Hatten Sie eine besondere Intention im Blick, als Sie sich ans Schreiben gesetzt haben?
Erst einmal mit gar keiner – außer mit der Hoffnung, dass es funktionieren würde und die Leser genauso eine Freude dran haben wie ich beim Schreiben.

Der Titel „Alles eine Frage der Einstellung“ bietet verschiedene Interpretationen an. Was steht für Sie im Vordergrund?
Die Einstellung zum Leben: „Das Glas ist halbvoll und nicht halb leer.“

Monika Baumgartners persönliche Rezeptempfehlung

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